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04.03.2010

Viel mehr als zwei Papamonate

Frauen & Beruf berät Paare zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie

„Die zwei Papamonate will ich auf jeden Fall nehmen“, sagte Thomas S., „aber länger kann ich auf keinen Fall aus meinem Job raus.“ Dass er seinen Job nicht aufgeben muss, wenn er die Elternzeit mit seiner Partnerin teilt, sondern 30 Stunden in der Woche arbeiten kann, das war dem Elektrotechniker gar nicht bekannt.

„Die meisten Paare wählen immer noch das klassische Modell, wenn sie Eltern werden“, sagt Uta Armbrust von Frauen & Beruf in Münster. „Die Frau steigt eine Zeitlang aus dem Beruf aus und fängt irgendwann in Teilzeit wieder an. Der Mann nimmt maximal zwei Vätermonate und macht beruflich dann weiter wie vorher.“ Dass es auch andere Lösungen gibt, die beiden Partnern berufliche Perspektiven und Zeit für die Familie ermöglichen, vermittelt Frauen & Beruf im Rahmen eines neuen Beratungsangebots. Speziell für Paare und für Beschäftigte im Handwerk gibt es hier im Projekt „Familie + Betrieb“, die Möglichkeit, die Planung der Elternzeit und der anschließenden Familienzeit gemeinsam unter die Lupe zu nehmen.

In Münster waren 2009 11,96 % der Väter in Elternzeit. Bundesweit nehmen zurzeit ca. 20 % aller Väter die beiden Vätermonate. Trotz der noch immer geringen Anzahl der Väter, die sich für eine Elternzeit entschieden haben, wünschen sich einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge drei Viertel aller Väter eine Arbeitsreduzierung, um mehr Zeit für die Kinder zu haben. Durchschnittlich arbeitet ein berufstätiger Vater mit zwei Kindern 44,2 Wochenstunden.

„Man kriegt immer mit, wie die anderen das machen“, beschreibt Thomas S. die Situation vor der Geburt des Kindes, „und da sind die Rollen eben so verteilt, dass die Frau erstmal zuhause bleibt.“ Schließlich verdiene er mehr als seine Partnerin und sein Chef habe ihm zudem deutlich signalisiert, dass er auf ihn nicht verzichten wolle.
„In der Beratung geht es zunächst darum, die beruflichen Perspektiven beider Partner zu betrachten“, so Gerlinde Amsbeck von Frauen & Beruf. Noch immer sei den Frauen nicht wirklich bewusst, wie negativ sich der Ausstieg aus dem Job auf ihre weitere berufliche Entwicklung und die Einkommenssituation langfristig auswirken kann. Bei den Männern hingegen seien die Gestaltungsmöglichkeiten in der Elternzeit kaum bekannt.

„Eine frühzeitige gemeinsame Planung erleichtert auch Gespräche mit dem Arbeitgeber“, ist Gerlinde Amsbeck überzeugt. Sie weiß aus der Beratung, dass viele Beschäftigte noch immer auf wenig Verständnis stoßen, wenn sie ihren Chefs von den Elternzeit-Plänen berichten. „Die Unternehmen sind zudem häufig schlecht informiert, wenn es um flexible Gestaltung der Elternzeit geht. Da haben gut informierte Mitarbeiter durchaus einen Argumentationsvorsprung.“
Thomas S. hat sich seine Elternzeit nun übrigens mit seiner Partnerin Sandra geteilt. Mit einer Reduzierung der Arbeitszeit auf 30 Stunden in der Woche war auch der Arbeitgeber einverstanden.

Das Projekt „Familie + Betrieb“, das die Handwerkskammer Münster gemeinsam mit Frauen & Beruf Münster durchführt, wurde 2008 durch den Wettbewerb familie@unternehmen ausgezeichnet und wird vom Land NRW und der EU gefördert. Die Beratung selbst ist für die Paare kostenlos.

Mehr Informationen: www.familie-plus-betriebe.de