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05.11.2009
Wenn Lehrerinnen gründen würden
Fortbildung für Lehrerinnen des Anne-Frank-Berufskollegs vermittelt praktisches Existenzgründungs-Know-how
Wie gründet man ein Unternehmen? Wie lässt sich feststellen, ob eine Idee wirtschaftlich ist? Und wie vermarktet man eine Geschäftsidee? Diese Fragen beschäftigen nicht nur die Schülerinnen am Berufskolleg Anne-Frank-Schule im Rahmen einer Gründerinnen-Werkstatt. Neun Lehrerinnen der Schule haben nun selbst an fiktiven Gründungskonzepten gearbeitet.
Das Projekt "Gründerinnen-Werkstatt" wird an der Anne-Frank-Schule im Rahmen der Initiative Unternehmerin Münsterland von Frauen & Beruf im FrauenForum unterrichtsbegleitend durchgeführt. Die Lehrerinnen-Fortbildung soll diese jetzt unterstützen, die Entwicklung von Unternehmensideen und Geschäftskonzepten auch in den eigenen Unterricht zu integrieren. „Wir holen das Thema Existenzgründung in die Schule, weil wir überzeugt sind, dass unsere Schülerinnen diese berufliche Alternative kennen und sich mit ihr auseinandersetzen sollten“, so Sonja Vogel, Fachlehrerin für Wirtschaft. Gerade in Fachrichtungen mit einem hohen Frauenanteil wie Hauswirtschaft, Kosmetik, Bekleidung oder Friseurin seien die Einkommen im Angestelltenverhältnis oft gering und Jobs rar. „Schon aus wirtschaftlichen Gründen lohnt es sich, über die Alternative Selbstständigkeit nachzudenken“, bestätigt Kerstin Konietzko, Lehrerin für Betriebsorganisation.
Aber wie viel Detailwissen müssen Fach- und Wirtschaftsunterricht vermitteln? Wie wichtig sind eine umfassende Rentabilitätsrechnung, eine Liquiditätsplanung, der Businessplan? Um das herauszufinden, gingen die Lehrerinnen in einem viertägigen Workshop bei Frauen & Beruf ganz praktisch zu Werke. „Die Lehrerinnen haben also – genau wie die Schülerinnen – ganz praktisch Unternehmenskonzepte entwickelt“, so Gerlinde Amsbeck, die als Projektleiterin die Fortbildung gemeinsam mit der Unternehmensberaterin Astrid Hochbahn entwickelt hat. Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Würden sie den Beruf wechseln und als Unternehmerinnen ihre Geld verdienen, dann mit einem Kosmetik-Service in Diskotheken, einem italienischen Café in Rheine oder Sprach- und Kreativreisen für allein reisende Erwachsene mit Kindern. Genau wie „echte“ Gründerinnen haben die Lehrerinnen ihre Geschäftsideen durchgerechnet, haben Marketingstrategien entwickelt, Standorte überprüft und ihr Konzept schließlich der Gruppe präsentiert.
„Beeindruckt hat mich das Engagement, mit dem die Lehrerinnen sich für die Schülerinnen einsetzen“, sagt Astrid Hochbahn. „Sie wollen eben nicht nur Lehrbuchwissen vermitteln, sondern suchen Kenntnisse, die tatsächlich beim beruflichen Einstieg helfen.“
Mit Konsequenzen für den Unterricht: Ansprüche runter, lautete zum Beispiel ein Ergebnis. „Ein Businessplan muss im Projekt nicht bis ins letzte Detail korrekt gerechnet werden“, so Technologie-Lehrerin Elisabeth Zech. „Wichtig ist, dass die Arbeit daran Neugier weckt und nicht für Angst vor Zahlen sorgt.“ Was realistisch ist und was nicht – das können die Schülerinnen am besten selbst herausfinden. Schließlich landete auch eine Lehrerinnen-Gruppe zwischendurch bei einem Investitionsvolumen von 2,5 Millionen. Auch wenn sie so viel Geld dann doch lieber nicht aufnehmen möchten, lernen lässt sich daran eine Menge.
