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02.11.2009

Wie können Mütter gut arbeiten?

Fachtagung zu Berufsrückkehr und Frauenerwerbstätigkeit sucht Strategien für Münster

Bei der Bernd Münstermann GmbH & Co. KG heißen die Beschäftigen schon mal „Orazler“. Das ist die hauseigene Abkürzung für „Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ohne regelmäßige Arbeitszeiten“. Magdalena Münstermann war eine der Gesprächspartnerinnen bei der jüngsten Tagung des Netzwerks W in Münster und berichtete aus der betrieblichen Praxis des Telgter Anlagenbauers.

Denn auf der Fachtagung „Wiedereinstieg und Frauenerwerbstätigkeit“ im Stadtweinhaus war auch der Dialog mit der Wirtschaft gefragt. „Wir wollen uns stärker vernetzen, um herauszufinden: Wie sind die Bedingungen in Münster, damit Berufsrückkehr und Vereinbarkeit gut gelingen“, sagte Uta Armbrust vom FrauenForum e.V., das gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Münster zu der Tagung eingeladen hatte. Beide sind im Netzwerk W vertreten und damit Teil einer landesweiten Initiative, die sich für den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen stark macht. Die Fachtagung fand im Rahmen der Landesinitiative Netzwerk (W) NRW statt und wurde vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

„Die Rahmenbedingungen erschweren es Frauen oftmals, einer wirklich existenzsichernden Arbeit nachzugehen“, so Ulrike Otto von der Arbeitsgemeinschaft. Dass insbesondere Mütter, allein erziehende Frauen und deren Kinder einem großen Armutsrisiko ausgesetzt sind, bestätigte auch Dr. Christina Klenner vom Wirtschafts- und Sozialinstitut der Hans-Böckler Stiftung. Anhand aktueller Forschungsergebnisse konnte sie belegen, dass die Erwerbsquote von Müttern in Deutschland nach wie vor im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich gering ist. „Es ist erschreckend zu hören, dass das Armutsrisiko nicht erwerbstätiger Frauen und ihrer Kinder bei 67,7% liegt, das der erwerbstätigen Frauen mit Kindern bei 15,4%“, so Ulrike Otto. „Die Arbeitsgemeinschaft Münster muss hier gemeinsam mit anderen Strategien finden.“

Das Prekäre: Wenn Mütter arbeiten, dann tun sie das zumeist in ungesicherten Mini- oder Teilzeitjobs, häufig unterhalb ihrer Qualifikation und nicht existenzsichernd. Eine Situation, die im Hinblick auf finanziellen und beruflichen Perspektiven wenig Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Insbesondere unter Kindern allein erziehender Mütter sei die Gefahr drohender Armut groß.
Alle politischen Forderung und gesetzlichen Rahmenbedingungen, die die Vereinbarkeit von Müttern unterstützen sollen, griffen demnach noch immer zu kurz. Auch weil sie Rollenverhältnisse und Arbeitsorganisation nicht grundsätzlich in Frage stellen. „Wir brauchen eine andere Organisation der Arbeit, von Männern und Frauen“, so die Forderung der Wissenschaftlerin.

Und Unternehmen, die bereit sind, sich auf ganz neue Konzepte einzulassen. Wie Magdalena  Münstermann mit ihren Orazlern. Was in Münster konkret getan werden kann und was sie selbst dazu beitragen werden, das sollten die Tagungsgäste schließlich auf eine an sich selbst adressierte Postkarte schreiben. Ende des Jahres landet diese als Erinnerung im Briefkasten. „Ich werde mich stärker den werdenden Vätern widmen“, sagte die Unternehmerin Magdalena Münstermann. Am schwarzen Brett findet sich dort in Zukunft eine Aufforderung an werdende Väter, über Familien- und berufliche Aufgabenteilung nachzudenken und das Gespräch zu suchen.

Vortrag und Präsentation von Dr. Christina Klenner