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21.02.2008
Selbstbewusst das eigene Leben planen – mit zwei Kulturen
„Wie stellst du dir dein Leben vor?“ Erfolgreiches Projekt zur Berufsorientierung von Mädchen an der Waldschule Kinderhaus
Die Schule soll aufs Leben vorbereiten – und auf den späteren Beruf. Um Mädchen bei der Berufsorientierung zu unterstützen hat sich die Waldschule Kinderhaus jetzt Unterstützung von außen geholt. Gemeinsam mit Frauen & Beruf und unterstützt von der Arbeitsagentur Münster wurde im vergangenen Schulhalbjahr mit der Klasse 8b das Projekt „Wie stellst du dir dein Leben vor? Berufswahlorientierung und Lebensplanung“ umgesetzt. Jetzt wird das Angebot fortgesetzt.
„Mädchen haben auf dem Ausbildungsmarkt trotz besserer Schulnoten noch immer schlechtere Chancen“, sagt Gerlinde Amsbeck, Projektleiterin bei Frauen & Beruf. Wenn sie außerdem eine Migrationsgeschichte mitbringen, werden ihre beruflichen Perspektiven oft noch schlechter. Auf diese Situation reagiert die Waldschule Kinderhaus mit dem Projekt, um die Mädchen stärker zu unterstützen. „Die Schule hat viele Verpflichtungen und kann dem besonderen Bedarf der Mädchen in diesen Fragen nicht immer gerecht werden“, so Schulleiterin Jutta Brambring. „Die Zusammenarbeit mit einem externen Träger ist für alle eine Bereicherung.“
11 Mädchen, in der Mehrheit aus arabischen, pakistanischen und russischen Familien, haben an dem Projekt teilgenommen. Während für den Rest der Klasse der Unterricht weiterlief, haben die Mädchen in ihrer Gruppe an Zukunftsthemen gearbeitet. Sie haben sich die Frage gestellt, warum es eigentlich so genannte Männer- und Frauenberufe gibt, haben sich über Bildungswege und Ausbildungsberufe informiert und sich vor allem immer wieder gefragt: Wie will ich eigentlich leben? „Ein Projekt wie dieses ermöglicht es, dass junge Frauen miteinander und in einem geschützten Raum über Rollenverteilungen in ihren Familien in Beziehungen nachdenken“, sagt Gerlinde Amsbeck.
„Die Mädchen haben viel Selbstbewusstsein gewonnen“, beschreibt Sozialpädagogin Eugénie Salem, die das Projekt im Auftrag von Frauen & Beruf umgesetzt hat. „Gerade die Mädchen mit Migrationsgeschichten haben erfahren, dass sie nicht zwischen, sondern mit zwei Kulturen leben können. Und dass ihre Sprachkenntnisse und ihr kulturelles Wissen auf dem Arbeitsmarkt auch Chancen sein können.“ So wurde nicht nur an beruflichen Träumen gearbeitet, sondern ganz konkret auf die Suche gegangen nach potenziellen Arbeitgebern, die diese besonderen Fähigkeiten brauchen. Die Mädchen haben das Schreiben von Bewerbungen und Gesprächen geübt und gelernt, ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten zu äußern.
Auch aus Sicht der Schule war das Projekt ein voller Erfolg. „Die Mädchen waren im Unterricht viel konzentrierter“, beobachtete Klassenlehrerin Maria John. „Vielleicht auch deshalb, weil sie gesehen haben, dass es zwischen guten Noten und einem späteren Traumberuf einen Zusammenhang gibt.“ Auch Schulleiterin Jutta Brambring ist überzeugt, dass die Jugendlichen von der Projektstruktur außerhalb des Unterrichts profitieren und wünscht sich ein vergleichbares Angebot in Zukunft auch für die Jungen an der Schule.
Mit Beginn des zweiten Halbjahrs startete zunächst eine zweite Mädchengruppe an der Waldschule Kinderhaus, ebenfalls gefördert mit Mitteln der Arbeitsagentur. Die 11 junge.n Frauen aus der Klasse 8b kommen bis zu den Sommerferien einmal im Monat zu Frauen & Beruf und arbeiten dort weiter an ihren Plänen für die Zukunft.