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26.06.2006

Frauen & Beruf ist in ihrem Bestand bedroht – Land NRW streicht die Förderung der Regionalstelle Frauen & Beruf in Münster

Die Landesregierung NRW hat am 23. Juni 2006 per Fax mitgeteilt, dass die Landeszuschüsse für die Regionalstellen Frau & Beruf in NRW zum Ende des Jahres 2006 gestrichen werden.

Die Landesregierung NRW hat am 23. Juni 2006 per Fax mitgeteilt, dass die Landeszuschüsse für die Regionalstellen Frau & Beruf in NRW zum Ende des Jahres 2006 gestrichen werden.
Von dieser Entscheidung sind 46 Regionalstellen in Nordrhein-Westfalen betroffen, darunter auch die Regionalstelle Frauen & Beruf in Münster, die seit 1996 mit Mitteln des Landes und der Stadt Münster gefördert wird und bereits seit 1988 landesfinanziert als Kontakt- und Informationsstelle in Münster besteht.

In der Begründung des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW heißt es, dass es „trotz der unbestritten erzielten Erfolge der Regionalstellen nicht mehr gerechtfertigt erscheint, das Netz der Regionalstellen über 2006 hinaus weiter aufrechtzuerhalten“. Gleichstellungspolitische Ziele würden inzwischen im Rahmen der Arbeits-, Wirtschafts- und Bildungspolitik wahrgenommen, wo es eine „Vielzahl von Vorgaben und Instrumentarien“ gebe, die zur Umsetzung von mehr Chancengleichheit beitragen.

Für den Trägerverein der Regionalstelle Frauen & Beruf in Münster, FrauenForum e.V., ist die Entscheidung der Landesregierung, sich vollständig aus der Finanzierung der Regionalstelle zurückzuziehen, nicht nachvollziehbar. Durch den Wegfall der Landesförderung ist eine in Münster unverzichtbare Institution zur Förderung der Berufstätigkeit von Frauen massiv gefährdet. Auch wenn gleichstellungspolitische Ziele eine stärkere Verankerung in allen Politikbereichen gewonnen haben, die Regionalstelle Frauen & Beruf ist ein Motor, der auch weiterhin notwendig ist, um die Verbesserung der Chancengleichheit im Sinne der Frauen und auf allen Ebenen voranzutreiben.

Mit den Schwerpunkten Familie & Beruf, Berufswahlorientierung, Genderpolitik und Existenzgründung ist die Regionalstelle zu einer zentralen Anlaufstelle in der beruflichen Orientierung von Frauen geworden. Frauen und Mädchen in Münster haben die Regionalstelle als verlässliche und vertrauensvolle Partnerin auf ihrem Weg in Ausbildung, Erwerbsarbeit oder berufliche Selbstständigkeit erlebt und in großer Zahl genutzt.
Allein im Jahr 2005 haben mehr als 2.000 Frauen und Mädchen die Regionalstelle Frauen & Beruf für Kontaktgespräche, Beratungen, Qualifizierungen sowie Fach- und Informationsveranstaltungen aufgesucht. Mit Projekten, Workshops, Orientierungsberatungen, Fachveröffentlichungen und dem Engagement in zahlreichen kommunalen und überregionalen Netzwerken gewährleistet die Regionalstelle eine hohe Qualität und verfügt über ein starkes Netzwerk.

Obwohl die Einrichtung bereits in den vergangenen Jahren Kürzungen von 50 Prozent der Landesmittel kompensieren musste, konnten diese bislang durch eine Konzentration auf die Kernaufgaben, die Beratung von jungen Frauen und die Beratung von Wiedereinsteigerinnen, durch große Anstrengungen des Trägers und der Mitarbeiterinnen sowie die gleich bleibende finanzielle Unterstützung der Stadt Münster aufgefangen werden. Durch die jetzigen Kürzungen ist die Regionalstelle Frauen & Beruf in ihrem Bestand bedroht.

Und das in einer Zeit, in der der Druck auf die Frauen deutlich größer wird. Durch die Veränderungen beim Elterngeld, aber auch durch Änderungen im Unterhaltsrecht und die Hartz IV-Gesetzgebung wächst der Anspruch der Politik an die individuelle Eigenverantwortung. Damit Frauen unter den neuen Bedingungen ihre beruflichen Ziele formulieren und verfolgen können, brauchen sie auch in Zukunft und gerade jetzt verlässliche Partnerinnen, die ihnen dabei helfen, sich auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen.

Ohne die Regionalstelle Frauen & Beruf gäbe es in Münster für Frauen und Mädchen in der Berufsorientierung, Berufsrückkehr und beruflichen Neuorientierung dieses niedrigschwellige Angebot nicht mehr. 20 Jahre Erfahrung und eine Struktur, die zahlreiche Projekte und ein landesweit vorbildliches Frauennetzwerk aufgebaut hat, wären unwiederbringlich verloren.