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22.12.2008
Mit „Bauchgefühl“ und gut kalkuliert in die berufliche Zukunft
Werkstatt: Gründung an der Anne-Frank-Schule endete mit Auszeichnungen für drei Unternehmenskonzepte
Drei neue Läden in Münster! „Bauchgefühl“ mit exklusiver Mode für Schwangere, „Idealmaß“ mit Mode für Menschen mit Handicap und das Atelier „Alt zu Neu“ für die zweite Chance der Lieblingsstücke aus dem Kleiderschrank. Mit kreativen Ideen für Nischen auf dem Modemarkt endete jetzt das Projekt „Werkstatt: Gründung“ am Berufskolleg Anne-Frank-Schule in Münster.
Die geplanten Läden und Ateliers wird es im Stadtbild zwar erst einmal nicht geben, aber die angehenden Mode- und Maßschneiderinnen haben in dem Kooperationsprojekt mit Frauen & Beruf in Münster die Berufsperspektive Selbstständigkeit genau unter die Lupe genommen.
Sieben Wochen lang haben die Schülerinnen im Rahmen des Wirtschaftsunterrichts an ihren Geschäftsideen und -plänen gearbeitet. Sie haben sich mit Marketing und Werbung beschäftigt, sich mit Finanzierung und Kalkulation befasst, haben Konkurrenzanalysen erstellt, Vertriebswege analysiert und die Marktchancen ihrer Produkte überprüft. Bei der abschließenden Präsentation der Konzepte überzeugten die fiktiven Gründerinnen mit einem guten Gespür für die Zielgruppe und viel Unternehmungslust.
Den „Traum von einer eigenen Modelinie“, darin waren sich die jungen Frauen beim Projektabschluss einig, werden sie nicht in die Tat umsetzen. „Unternehmerin zu sein ist ja nicht nur die kreative Arbeit“, sagte eine Schülerin zum Abschluss, „sondern auch ein großes finanzielles Risiko.“ Eine realistische Einschätzung der Selbstständigkeit als berufliche Alternative zu vermitteln, das war auch das Ziel von Frauen & Beruf. „Wir wissen, dass Frauen im Handwerk deutlich seltener gründen als Männer“, beschreibt Projektleiterin Gerlinde Amsbeck den Hintergrund des Werkstattprojektes. „Wir wollen jungen Frauen frühzeitig aufzeigen, dass Selbstständigkeit für sie irgendwann eine Perspektive sein kann, aber auch, was ein solcher Weg konkret erfordert.“ Frauen & Beruf hatte die Workshops gemeinsam mit den Referentinnen Astrid Hochbahn, Tanja Gellermann und Heike Schulze-Werner durchgeführt, die die Schülerinnen mit ihrer jeweiligen Fachkompetenz im Bereich Finanzierung, Marketing und Kommunikation schulten.
„Selbst wenn keine der Schülerinnen sich jetzt für die Selbstständigkeit entscheidet, so haben sie von diesem Projekt doch enorm profitiert“, ist Fachlehrerin Sonja Vogel sicher. „Sie nehmen ihre Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen ganz anders wahr und können deren Rolle viel besser verstehen.“ Auch Kenntnisse in Finanzierung oder die bewusste Reflexion von Kommunikationstechniken sei ein Gewinn für den beruflichen Alltag. Dass auch die Lehrerin selbst inspiriert durch das Projekt an Ideen für eine (Teilzeit-)Selbstständigkeit arbeitet, ist ein ganz zufälliger, aber auch für die Schülerinnen faszinierender Nebeneffekt.
An der Anne-Frank-Schule wurde das Kooperationsprojekt mit Frauen & Beruf im Rahmen der vom Land NRW finanzierten „Initiative Unternehmerin Münsterland“ bereits zum zweiten Mal durchgeführt. „Aus dem letzten Kurs sind einige echte Gründungen hervorgegangen“, erzählt Sonja Vogel. Vielleicht wird es also doch nicht so lange dauern, bis auf der Warendorfer Strasse das Retro-Atelier oder im Kreuzviertel das Bauchgefühl eröffnet.