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01.07.2010
Eltern sind die Experten für ihre Kinder
Wie gelingt interkulturelle Elternarbeit an Münsters Schulen? - Berufsorientierung braucht Väter und Mütter - Tagung bei Frauen & Beruf stößt Austausch über gemeinsame Strategien an
Jugendliche brauchen Ratgeber und Gesprächspartner auf der Suche nach beruflichen Perspektiven. Gerade Eltern können in dieser Phase Mut machen und auch Vorbilder sein. Und doch erleben viele Schulen, dass gerade die Eltern mit Migrationsvorgeschichte in der Berufsorientierung schwer zu erreichen sind. „Warum kommen die Eltern nicht?“ Das war die zentrale Frage einer Tagung zur interkulturellen Elternarbeit, die jetzt bei Frauen & Beruf in Münster stattfand.
„Wenn Eltern wegbleiben, gibt es dafür verschiedene Gründe“, so Eugénie Salem, die für Frauen & Beruf das Berufsorientierungsprojekt „Wie stellst du dir dein Leben vor?“, finanziert durch die Agentur für Arbeit und das Projekt „boje“ der Sparda-Bank, an Haupt- und Realschulen in Münster durchführt. „Oft wissen sie zu wenig über das deutsche Schul- und Ausbildungssystem, es gibt sprachliche oder interkulturelle Hürden.“ Frauen & Beruf hatte im vergangenen Schuljahr mit Homeparties Alternativen zum Elternabend gesucht und Mütter aus unterschiedlichen Kulturen miteinander ins Gespräch gebracht.
Mit Mustafa Bayram und Christian Gollmer vom Coach e.V. in Köln hatten die Veranstalterinnen jetzt erfahrene Referenten eingeladen. Der Bildungsträger bindet seit vielen Jahren in seine Arbeit mit Jugendlichen gezielt die Eltern ein. „Auch bei uns waren es am Anfang nur drei Eltern, die einer Einladung gefolgt sind“, sagte Mustafa Bayram und machte den anwesenden Lehrkräften und Projektanbietern Mut, weiterhin gezielt auf die Eltern zuzugehen. „Sie sind die Experten für ihre Kinder.“ Wenn Jugendliche mit Migrationsvorgeschichte gleiche berufliche Chancen haben sollen, seien die Eltern als Partner von Schulen und Bildungsträgern unverzichtbar.
„An vielen Schulen in Münster gibt es eine engagierte interkulturelle Elternarbeit“, so das Resümee von Eugénie Salem. „Zugleich erleben viele immer wieder interkulturelle Missverständnisse.“ Die Väter seien schwer zu erreichen und oft müsse Überzeugungsarbeit geleistet werden, dass eine gute Ausbildung auch für Mädchen wichtig sei.
Das Interesse der Schulen, Ideen aus der Praxis auszutauschen, um miteinander Strategien zu entwickeln, ist groß. Bei diesem einen Workshop wollen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen es nicht belassen. Sie wissen: Interkulturelle Elternarbeit braucht einen langen Atem.
